Louis Braille, Erfinder der Blindenschrift

Kleiner Nachtrag: Vor 200 Jahren, am 4. Januar 1809, wurde Louis Braille geboren. Er ist der Erfinder der Blindenschrift (auch “Brailleschrift” oder einfach “Braille”), die heute von Millionen Blinden und Sehbehinderten genutzt wird. Mit Feiern in Berlin und Hamburg hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) jetzt das Jubiläumsjahr eingeläutet.

Postkarte zum Internationalen Blindentag 1915
Postkarte zum
Internationalen Blindentag 1915

Im Alter von drei Jahren verletzte er sich in seines Vaters Sattlerei mit einer Ahle schwer an einem Auge. Die Entzündung griff auch auf das andere Auge über und führte zur Erblindung des Jungen. Mit elf Jahren kam Braille – bereits als Hilfslehrer an der 1784 in Paris gegründeten ersten Blindenanstalt der Welt tätig – mit dem französischen Artilleriehauptmann Charles Barbier in Kontakt. Dieser hatte ein Schriftsystem aus 12 Punkten entwickelt, dass seinen Soldaten auch die Nachrichtenübermittlung im Dunkeln ermöglichen sollte, ohne sich dabei durch das zum Lesen notwendige Licht dem Feind zu verraten. Stattdessen wurden die Nachrichten in Punktmustern in das Papier gedrückt. Die Erhöhungen auf der anderen Seite konnten dann mit dem Tastsinn der Finger “gelesen” werden.


Louis Braille griff diese Idee auf und suchte sie zu vereinfachen. Bis 1825 hatte er Babiers System auf sechs erhabene Punkte halbiert, welche 64 Punktkombinationen zuließen und leicht erlernbar waren. Die offizielle Anerkennung seiner Schriftentwicklung ließ jedoch noch Jahrzehnte auf sich warten. Erst 1850 wurde das 6-Punkte-Alphabet von der Pädagogischen Akademie Frankreichs offiziell anerkannt und in Paris eingeführt. 1873 wurde die Braille-Schrift durch Beschluss des 1. Blindenlehrerkongresses in Wien auch im deutschsprachigen Raum verbindlich. Braille erlebte den weltweiten Siegeszug seiner Schrift indes nicht mehr. Er starb am 6. Januar 1852 in Paris an einem Lungenleiden. 100 Jahre später, am 21. Juni 1952, wurden seine Gebeine ins Pariser Panthéon umgebettet – als besondere Anerkennung seiner Verdienste.

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Mehr zu Braille und seiner Blindenschrift:
Zum 200. Geburtstag: Braille erfand Blindenschrift (n-tv.de)
Blindenschrift: Punkt für Punkt die Welt erfassen (sueddeutsche.de)
Porträt: Louis Braille (DBSV)
Brailleschrift (wikipedia)
Elektrische Braillezeile: Schrift für Blinde am PC (Deutschlandradio)
Braille-Alphabet (Grundlagen, Schriftart-Datei, … – fakoo.de)
Tour de Braille – Blindenschrift erleben (DBSV)

Quelle: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
Bild: via wikipedia
(ENDE) geschichtspuls/05.01.2009/mar

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    3 Kommentare
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    1. Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag, der mir wirklich noch einiges beigebracht hat. Dass Braille die geheime Schrift eines Artilleriehauptmannes weiter entwickelt hat, war mir so noch gar nicht bewusst. Ich denke, für Blinde hat sich dank Braille doch einiges zum Positiven hin verändert und man sollte auf jeden Fall den Mann immer im Gedächtnis wahren.

    2. Ich kannte die Geschichte der Entstehung der Blindenschrift auch noch nicht, aber es ist faszinierend was aus ursprünglich 12 Punkten entstanden ist. Bekannte von uns haben eine Tochter die blind ist und es ist schön zu sehen, dass sie durch Braille heute lesen kann.

    3. Also ich bin zwar nicht blind, aber ich stelle mir ein Leben als Blinder sehr schwierig vor. Wenn man bedenkt, was man da alles nicht machen kann und was einem sehr schwierig fällt. Der ganze Alltag ist ja schon schwer für einen Blinden. Und dann auch noch die Menschen, die keine Rücksicht auf Blinde nehmen. Ich glaube da sind sehr sehr viele sehr froh, dass es die Blindenschrift gibt, denn ohne sie würden sie wahrscheinlich nicht weit kommen. Da würde ja gar nichts mehr gehen.

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