Historisches Stadtarchiv in Köln eingestürzt

In Köln ist am Dienstag (03. März 2009) das Historische Stadtarchiv eingestürzt. Das vierstöckige Haus beschädigte dabei angrenzende Häuser und begrub mehrere Autos unter sich, berichtet der WDR. Augenzeugen zufolge sei das Gebäude in der Severinstraße einem Erdbeben gleich wie ein Kartenhaus in sich zusammen gefallen. Mehrere Personen wurden verletzt. Nach Aussagen der Stadt Köln werden noch zwei Personen vermisst.

Ob der Einsturz mit Bau der neuen unterirdischen Nord-Süd-Bahn zusammenhängt, ist ebenfalls noch unklar. Die Linie führt zwar in der Nähe des Historischen Stadtarchivs vorbei (ca. 10-20 Meter). “Aktuell gibt es aber keine Arbeiten, die dazu hätten führen können”, erklärte eine Sprecherin der Nord-Süd-Bahn. Die letzten größeren Arbeiten hätten Mitte 2007 stattgefunden.

Bei den Kommentatoren des WDR-Artikels ist man da offensichtlich anderer Meinung. Einer von ihnen schrieb: ” Das kommt davon, wenn man ein ganzes Viertel untergräbt. Fragt doch mal die Anwohner! Hier gibt es kaum jemanden ohne Risse in der Wand!!”

Mehr im Internet:
Historisches Stadtarchiv in Köln eingestürzt (WDR Online)
WDR Extra: Video zum Thema
Laufende Berichterstattung bei Archivalia
Stadtarchiv komplett eingestürzt (Express Köln)
Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln

Nachtrag (19:01 Uhr) – Bei Welt Online gibt es Angaben zum betroffenen Archivgut:

“Der Schaden sei erheblich größer als beim Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek, sagte [der langjährige Abteilungsleiter Eberhard Illner]. ‘Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollsten Archivguts, und zwar europäischen Ranges.’ Bei dem Kölner Archiv handele es sich um ein nationales Kulturgut. In dem eingestürzten Hauptgebäude habe sich das Hauptarchiv des Bestandes mit der seit 1000 Jahren gelagerten kompletten Überlieferung der Stadt Köln befunden. Dazu habe auch ein großes Nachlassarchiv von Schriftstellern und Komponisten sowie ein bedeutendes Architekturarchiv gehört.”

Nachtrag (04.03.2009) – Die Einsatzkräfte gehen derzeit von vier vermissten Personen aus, wie Spiegel Online berichtet. Die Bergungsarbeiten seien aber kompliziert, da an der Unglücksstelle weitere Einsturzgefahr bestehe. Aus dem Keller eines weitgehend unbeschädigten Archivanbaus werde unterdessen durch Feuerwehrleute und Mitarbeiter Archivmaterial geborgen. Im Laufe des Tages soll die Einsturzstelle zudem mit Planen abgedeckt werden, um mögliches noch intaktes Archivmaterial vor Regen zu schützen.

Quelle: siehe Links
(ENDE) geschichtspuls/03.03.2009/mar – zuletzt aktualisiert am 4. März 2009

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    6 Kommentare
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    1. Schreckliches Ereignis, insbesondere wenn Menschenleben betroffen sind.

      Wie sieht es eigentlich mit den Archivbeständen aus? Waren die im Archivgebäude bzw. in einem möglichen Außenmagazin untergebracht? Das Kölner Stadtarchiv gilt (galt) ja als eines der besten Kommunalarchive, hab ich gerade bei wiki gelesen…

    2. Das ist schon klar das die Sprecherin der Nord-Süd-Bahn alle Schuld vom Unternehmen weist. Den Schaden möchte ich auch nicht begleichen. Aber wenn man sich vorstellt, daß gerade dann, wenn unterirdisch gearbeitet wird, die Häuser anfangen zu wackeln, dann kommt schon mal jemand in Erklärungsnot. Schade um die komplette Übererlieferung der Stadt Köln und die anderen wertvollen Sachen.

    3. [...] Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März dieses Jahres hat mit allem Nachdruck die Frage nach der Sicherheit archivischer [...]

    4. [...] von Goethe und Schiller bis zum Vertragstext des Westfälischen Friedens von 1648. Auch aus dem eingestürzten Historischen Archiv der Stadt Köln befinden sich hier mehr als zehn Millionen [...]

    5. [...] sollte das am 3. März 2009 eingestürzte Kölner Stadtarchiv bis 2017 neu aufgebaut sein. So sah es ein Beschluss des Kölner Stadtrates im Juni 2011 vor. Doch [...]

    6. [...] sollte das am 3. März 2009 eingestürzte Kölner Stadtarchiv bis 2017 neu aufgebaut sein. So sah es bislang zumindest ein Beschluss des Kölner Stadtrates vom [...]

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