Neuerscheinung: Jörg Berger – Meine zwei Halbzeiten

Jörg Berger - Zwei Halbzeiten Die DDR Ende der siebziger Jahre: Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende als Spieler beim 1. FC LOK Leipzig gehörte der junge Jörg Berger als erfolgreicher Fußballtrainer zu den Privilegierten des Systems. Die Übernahme der ostdeutschen Nationalmannschaft schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch es kommt anders: Aus Unmut über die ständige Einmischung der Stasi in sein Leben (etwa ein Westreiseverbot, sollte er nicht wieder heiraten), nutzt er im März 1979 ein Länderspiel in Jugoslawien für die Flucht gen Westen.

In der Botschaft der Bundesrepublik in Belgrad sei er mit einem Pass mit falschem Namen und einem Bahnticket in den Westen ausgestattet worden, berichtet Berger in der BILD. Dennoch habe er auf der Reise große Angst gehabt, vor allem als er kurz vor der österreichischen Grenze von einem jugoslawischen Grenzwächter erkannt worden sei. Dieser habe ihn aber nicht verraten, sondern nur viel Glück im Westen gewünscht.


In die Bundesrepublik musste Berger von vorn beginnen. Dabei machte sich bei vielen Bundesligaclubs als Retter im Abstiegskampf einen Namen. Bis er 2002 mit seiner größten Herausforderung konfrontiert wurde: der Diagnose Krebs.

Westdeutsche Ignoranz und der lange Arm der Stasi

In seiner jetzt erschienen Autobiografie schildert Berger sein Leben in zwei deutschen Staaten. Von lockeren Sitten in der DDR berichtet er ebenso wie von den Tücken des bundesrepublikanischen Alltags. Und er beschreibt, was schlimmer war als die Ignoranz westdeutscher Fußballgrößen: die beklemmende Erfahrung zu machen, dass der lange Arm der Stasi bis in den Westen reichte.

Insbesondere nach dem plötzlichen Unfalltod des eine Woche vor ihm geflüchteten DDR-Fußballprofis Lutz Eigendorf fielen Berger “einige merkwürdige Vorfälle” wieder ein. So habe sich einmal bei Tempo 160 ein Rad seines Wagens gelöst, mehrmals seien seine Reifen zerstochen worden. Spätere monatelange Lähmungserscheinungen nach seinem Wechsel zum Erstligisten Hannover 96 im Jahr 1986 führt Berger auf eine vom Ministerium für Staatssicherheit initiiert Bleivergiftung zurück. Entsprechende Anhaltspunkte habe er nach der Wende in seinen Stasi-Akten gefunden, erklärt er in einem Interview mit WELT Online.

Er sei kein Schriftsteller, sagt Berger über sich selbst, sondern einfach ein Autor, der seine Sicht der Dinge schildert. Er hoffe aber, mit seinem Buch einen kleinen Beitrag zur noch lange nicht beendeten Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte leisten zu können.

Jörg Berger: “Meine zwei Halbzeiten. Ein Leben in Ost und West”, 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Rowohlt (März 2009), 19,90 Euro (D), ISBN: 978-3-498-00654-9

Mehr zu Buch und Autor:
Jörg Berger: Meine zwei Halbzeiten (Artikel im Rowohlt Verlag Magazin “Bookmarks”)
So jagte mich die Stasi… (Vorabdruck in der BILD)
Jörg Berger kämpft sich zurück (RPO)
Ein Mann redet Klartext (Mitteldeutsche Zeitung)

Quelle: Rowohlt Verlag, zudem siehe Links
Bild: Rowohlt Verlag
(ENDE) geschichtspuls/06.03.2009/mar

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    2 Kommentare
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    1. [...] zurück. Entsprechende Anhaltspunkte habe er nach der Wende in seinen Stasi-Akten gefunden. (Biografie: Jörg Berger – Meine zwei Halbzeiten [...]

    2. [...] nimmt unter anderem der Fall des kürzlich verstorbenen Fußball-Bundesligatrainers Jörg Berger (Meine zwei Halbzeiten) ein, der jahrelang im Westen von der Stasi verfolgt wurde und für diese Dokumentation sein letztes [...]

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