Erster Weltkrieg: Der Kriegsbeginn in der Zeitung (II)

Hier nun der zweite Teil über Zeitungsberichte zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914. Es dominierten die Nachrichten über den “verräterischen” Kriegseintritt Frankreichs und die dadurch von deutscher Seite aus Gründen der Selbstverteidigung notwendig gewordene Verletzung der Neutralität Belgiens. Zudem wurde zur Aufmerksamkeit gegenüber Spionen und Saboteuren innerhalb der deutschen Grenzen gemahnt. Und auch der Verteidigungscharakter des Krieges wurde weiterhin betont.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie über den Ersten Weltkrieg:

1. – Der Erste Weltkrieg 1914-1918
2. – Erster Weltkrieg: Der Kriegsbeginn in der Zeitung, Teil I
3. – Erster Weltkrieg: Der Kriegsbeginn in der Zeitung, Teil II
4. – Erster Weltkrieg: Der Kriegsbeginn in der Zeitung, Teil III
5. – Materialsammlung: Informationen zum Ersten Weltkrieg im Internet (in Vorbereitung)

Bitte beachten: Die (unkommentierten) ausschnittsweisen Zeitungsauszüge sollen als Zeitdokumente einen Einblick geben in die Propaganda und die Stimmung im Deutschen Reich zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Keinesfalls können sie die nachträgliche historische Betrachtung der Ereignisse und ihre komplexe Einordnung ersetzen. Hierfür sei als erster Einstieg die Online-Darstellung des Deutschen Historischen Museums sowie der umfangreiche wikipedia-Artikel empfohlen.



Achtung auf russische Spione

»Nach zuverlässigen Nachrichten bereisen russische Offiziere und Agenten in großer Zahl unser Land. Die Sicherheit des Deutschen Reiches fordert, dass aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben den amtlichen Organen das gesamte Volk unbedingt mitwirkt, solche gefährlichen Personen unschädlich zu machen.«
(Tageblatt für Thale am Harz und Umgegend, Dienstag, 4. August 1914)



Krieg nach zwei Seiten.
(nach Kriegseintritt Frankreichs)

»Was wir nicht gefürchtet, wohl aber erwartet haben, ist geschehen. Frankreich hat, den Spuren seines Bundesbruders Russlands folgend, feindselige Handlungen gegen uns unternommen, ohne dass eine Kriegserklärung vorhergegangen ist. Es hat unsere Grenzen angetastet, es hat Operationen auf neutralem Gebiet unternommen, kurz, es hat uns angefallen wie ein Räuber, der am Weg lauert. Frankreich hat Truppen über unsere Grenze geschickt, als wenn kein Völkerrecht und keine internationalen Abmachungen existierten. Das beweisen die vorliegenden, vom deutschen Großen Generalstab mitgeteilten oder genehmigten Meldungen.

Von der Westgrenze.

Nicht ein Zoll französischen Bodens wurde von uns betreten, die Besetzung des dem Deutschen Zollverein angehörenden Luxemburg durch Truppenteile unseres 8. Armeekorps stand uns zu auf Grund der bestehenden Vereinbarungen zum Schutze der in Luxemburg befindlichen deutschen Eisenbahnen. (…)

Niedertracht rechts und links.
(Französisch-russische Hinterlist.)

Mit derselben abgefeimten Niedertracht wie sein russischer Verbündeter, ist das französische Volk in den Weltkrieg eingetreten. Offiziere, die in deutschen Uniformen sich einzuschleichen suchen, Ärzte, die Brunnen mit Cholerabazillen vergiften, Bestochene, die Eisenbahntunnel sprengen wollen, Flieger, die Bomben auf Eisenbahnstrecken fallen lassen, schließlich kriegsstarke Kompagnien, welche die Grenze überschreiten – und das alles, ehe der Krieg erklärt ist, ehe die Pariser Regierung auf die Berliner Anfrage, wie sie sich die Weltlage denke, auch nur eine Antwort gegeben hat! Das sind die angenehmen Erscheinungen an unserer Westgrenze. Sie stellen sich dem Wortbruch des Zaren würdig zur Seite.«
(Tageblatt für Thale am Harz und Umgegend, Mittwoch, 5. August 1914)



Der Zudrang zur Fahne

»…ist hier in unserem Orte – und wie in Thale wird es überall im Reiche sein – ganz außerordentlich stark, sodass es höchstwahrscheinlich nicht möglich sein wird, alle sich freiwillig meldenden Männer einzustellen. Alle Jahrgänge vom 17. bis zum 50. Jahre hinauf sind unter den Kriegsfreiwilligen vertreten, und bei allen herrscht eine ernste, aber tiefe, glühende Begeisterung, die lebhaft an die Tage der Befreiungskriege erinnert. Sie alle sind jetzt beherrscht von dem einen Wunsch und Gedanken: Es gilt, das Vaterland zu retten.«
(Tageblatt für Thale am Harz und Umgegend, Mittwoch, 5. August 1914)



Die Stimmung der Ausziehenden und die Pflicht der Zurückgebliebenen.

»Nach den bei den militärischen Zentralbehörden eingegangenen amtlichen Nachrichten ist die Mobilisierung unseres Heeres und unserer Flotte bisher ganz vorzüglich verlaufen. Alles ging wie am Schnürchen. Die Zusammenziehung der Einberufenen, ihre Beförderung an die angewiesenen Plätze, kurz, alles hat tadellos geklappt. Das Vertrauen der Bevölkerung in unsere militärische Organisation ist glänzend gerechtfertigt. Besondere Hervorhebung verdient die Stimmung unter den Einberufenen. Voller Hingabe und Begeisterung, aber auch von dem Ernst der Stunde durchdrungen sind alle, die der Stellungsorder folgen. Das deutsche Volk hegt die Zuversicht, dass auch die weiteren militärischen Maßnahmen in gleicher Ordnung und Planmäßigkeit ausgeführt werden.
Dem Publikum seinerseits aber erwächst jetzt eine außerordentlich bedeutsame Aufgabe. Es hat sich ergeben, dass uns das Ausland mit Spionen und Personen, die zur Ausführung verbrecherischer Anschläge bestimmt sind, geradezu überschwemmt. Es sind bereits zahlreiche Versuche unternommen worden, wichtige Kunstbauten, Eisenbahnbrücken, Tunnels und dergl. zu sprengen, um den Aufmarsch unserer Truppen zu stören. Jeder solcher Versuch wird unter den obwaltenden Umständen unnachsichtlich mit dem Tode bestraft. Alle bisherigen Versuche französischer und russischer Agenten in dieser Richtung sind glücklicherweise erfolglos geblieben. (…) Wir sind rings von Spionen umgeben, trage jeder dazu bei, ihre Umtriebe unschädlich zu machen, indem er die Polizei oder die Polizei-Hilfsmänner auf verdächtige, namentlich ausländisch Sprechende hinweist und ihre Feststellung veranlasst…«
(Tageblatt für Thale am Harz und Umgegend, Freitag, 7. August 1914)

(Weiter zum Überblicksartikel Erster Weltkrieg oder zur historischen Presseschau Teil 1 und Teil 3.)

Quelle: Stadtarchiv Thale, Tagesanzeiger für Thale a.H. und Umgegend Juli/August 1914
(ENDE) geschichtspuls/03.08.2009/mar

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