Google Books – eine zwiespältige Sache
Google Books ist für mich als Historiker eine nette Sache, um mit etwas Glück schon am Schreibtisch Zugriff auf mich interessierende Literatur zu erhalten. Doch nun wird die Sache für mich als Autor etwas zwiespältig – jetzt, wo mein Buch über Hermann Schulze-Delitzsch (neben Raiffeisen der Gründervater des deutschen Genossenschaftswesens) offenbar bis auf wenige ausgenommene Seiten komplett bei Google Books zu finden ist…
Ich muss gestehen, dass ich mich bislang mit der umfassenden Einscan-Aktion von Google noch nicht wirklich befasst und eigentlich auch genug andere Sachen auf der Agenda habe. Doch nun ist das Buch offenbar bis auf wenige Seiten komplett bei Google Books zu finden. Das gefällt mir irgendwie nicht. Als Autor und Mitverleger sehe ich durch die fast vollständige Darstellung des gesamten Werkes keine Vorteile für die realen Buchverkäufe. Habe daher jetzt eine Beschränkung der Seiten-Anzeige gefordert. Etwas ausführlicher habe ich mich zur Entscheidungsfindung (mit einigen Vor- und Nachteilen aus Sicht eines Autors/Verlegers) drüben beim Geschichtskombinat ausgelassen…
Mehr über Hermann Schulze-Delitzsch gibt’s in diesem Beitrag anlässlich seines 200. Geburtstages; mehr zum Buch hier.
Falsches Buchcover: Hakenkreuz statt Schulze-Delitzsch-Porträt
Ärgerlich finde ich nebenbei auch noch eine falsche Titelblatt-Vorschau bei Google Books: Statt des Buchcovers mit Schulze-Delitzsch-Porträt wird in der Google Books-Vorschau das Cover eines Hitler-Buches angezeigt, zu allem Überfluss auch noch mit überdimensioniertem Hakenkreuz. Schulze-Delitzsch würde sich im Grabe umdrehen… aber das lässt sich sicher noch korrigieren.
![]() Falsches Cover mit Hakenkreuz |
![]() Das richtige Cover |
Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Schulze-Delitzsch in die Nähe zum Hakenkreuz gerückt wird. Von den Nationalsozialisten wurde er bereits 1933 ob seiner strikten Ablehnung von Staatshilfen zu einem ihrer Vorkämpfer erklärt – wohl auch, um die Genossenschaften stärker in ihre ideologische Linie einzubinden:
“Gehörte die Lebensarbeit von Schulze-Delitzsch der heutigen Zeit an, so könnte es gar kein anderes Urteil geben, als dass Schulze von nationalsozialistischen Ideen ausgegangen sei und im Geiste und Sinne des Nationalsozialismus auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Organisation des deutschen Mittelstandes eine bahnbrechende und ganz hervorragende Leistung vollbracht hat.
Da nun Schulzes Lebensarbeit um mehr als ein halbes Jahrhundert, die Anfänge seines Wirkens etwa 90 Jahre zurückliegen, kann umgekehrt der Nationalsozialismus diesen großen Deutschen, glühenden Patrioten und hervorragenden Volkswirtschaftler mit gutem Grund als einen Vorläufer seiner Ideen betrachten. Dies darf auch dann gelten, wenn wir (…) an seinen Kampf gegen Ferdinand Lassalle, den ersten großen Propagandisten des Marxismus in Deutschland, denken. Hermann Schulze-Delitzsch war der erste Kämpfer gegen den Marxismus, und zwar ganz im Sinne des heutigen Nationalsozialismus.”
(Quelle: Die deutschen Genossenschaftsbanken und der neue, nationalsozialistische Staat, in: Blätter für Genossenschaftswesen, Nr. 24/1933 vom 16. Juni 1933, S. 379-381.)
(ENDE) geschichtspuls/16.09.2009/mar

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