Lückenfüller

30 Jahre Videotext

Vor dreißig Jahren, am 1. Juni 1980 fiel in Deutschland der Startschuss für den Videotext. Erstmals waren damit Informationen unabhängig vom laufenden Programm abrufbar – anfänglich jedoch vielfach noch auf die Abendstunden begrenzt. Übertragen wurden die Daten in einer Lücke im Fernsehsignal, der so genannten Austastlücke. Entdeckt wurde diese Möglichkeit von Fernsehtechnikern der britischen BBC, die 1974 erstmals mit dem Teletext “Ceefax”auf Sendung ging.

ARD Videotext – Startseite zum 30. Jubiläum Redaktionell betreut wurde das erste deutsche Videotext-Angebot während einer zehnjährigen Testphase noch gemeinsam von ARD und ZDF. Unterstützt von fünf überregionalen Tageszeitungen bot der “Rundfunk-Informationsdienst” neben programmbegleitenden Informationen auch einen schnellen Nachrichtenüberblick – und bescherte dem Nutzer damit eine völlig neue Erfahrung. Lange vor dem Internet-Zeitalter konnten sie nun selbst entscheiden, wann sie sich über die Ereignisse des Tages informieren wollten. Das stieß übrigens nicht überall auf Freude: Wie die Zeitungsverleger heute gegen die Online-Angebote von ARD und ZDF wettern, so sahen sie sich damals durch die neue “elektronische Zeitung” in ihrer Existenz bedroht.

Schnelle Verbreitung – nur nicht in der DDR

Nach und nach starteten dann auch die einzelnen Landesrundfunkanstalten wie der Westdeutsche Rundfunk 1983 oder der Norddeutsche Rundfunk 1988 mit eigenen regional-bezogenen Videotext-Angeboten. Auch die Privatsender zogen schließlich nach (SAT.1: 1988; RTL: August 1992; Pro7: Juli 1994) und trugen mit zu seiner schnellen Durchsetzung bei. Gab es zum Jahresende 1980 erst 70.000 Haushalte in der Bundesrepublik mit teletextfähigen Fernsehgeräten, stieg diese Zahl innerhalb von drei Jahren auf rund eine halbe Million. 1996 gab es bereits 19,56 Millionen Teletexthaushalte; 2008 waren es 33,49 Millionen, was einem Ausstattungsgrad von 96 Prozent entspricht.

Übrigens: Auch in der DDR wurde in den 1980er Jahren mit der Teletext-Technologie experimentiert. Eingeführt wurde der Videotext hier allerdings erst nach der Wende im Mai 1990.

Heute nutzen fast 16 Millionen Zuschauer in Deutschland täglich den Videotext. Das erfolgreichste Teletextangebot beansprucht dabei “Das Erste” für sich: der ARD Text – den es übrigens erst seit dem Jahr 2000 eigenständig vom ZDF gibt und der federführend vom Rundfunk Berlin-Brandenburg produziert wird – wird nach Angaben des Senders täglich von im Schnitt 5,4 Millionen Besuchern genutzt, was einem Marktanteil von 15,7 Prozent entspricht.

Neue Technik eröffnet neue Möglichkeiten

Optisch und technisch hat sich der Videotext seit 1980 kaum verändert. Nach wie vor stehen nur 800 Seiten mit Unterseiten, sechs Farben und 23 Zeilen mit je 40 Zeichen zur Verfügung. Allerdings steht der klassische Videotext seit einigen Jahren auch im Internet und für mobile Endgeräte zur Verfügung – und mit dem neuen Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) zeichnen sich weitere neue Möglichkeiten ab: hybride Fernsehgeräte kombinieren das TV-Signal mit dem Internetübertragungsweg, wodurch Grafiken und Schriften optimiert und der Videotext barrierefrei gestaltet werden können. Die Leiterin des ARD Textes, Frauke Langguth, ist sich dabei jedoch sicher, dass der Videotext mit kurzen, prägnanten Informationen auch im digitalen Fernsehen seinen Platz behaupten wird: “Vom Sofa aus will man auf dem Bildschirm schließlich keine Romane lesen.”

Mehr zum Jubiläum des Videotextes…

…findet man im ARD-Videotext ab Seite 740 sowie auf den neu gestalteten Internetseiten von ARD Text: www.daserste.de/videotext. Hier gibt es neben einer Chronologie der (deutschen) Videotext-Entwicklung unter anderem verschiedene Bildergalerien (historisch und aktuell) sowie ein Videotext-Wissens-Quiz. Fans der liebevoll “Klötzchengrafik” genannten Optik können zudem bei einem Videotext-Kunstwettbewerb auf ihre Kosten kommen. Zum Jubiläum sucht die ARD Text-Redaktion die schönsten Pixelgrafiken im Videotextformat, um sie im ARD Text auszustellen.

Quelle: ARD
(Ende) geschichtspuls/01.06.2010/mar

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