Ausstellung

Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz

“Graben für Germanien” – damit ist die Rolle der Archäologie in der Zeit des Nationalsozialismus ziemlich treffend beschrieben. Eine gleichnamige Sonderausstellung im Focke-Museum (Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte) beleuchtet jetzt das enge Verhältnis von Politik und Archäologie im Dritten Reich. Sie ist zu sehen vom 10. März bis 8. September 2013.

 Ausstellung: Graben für Germanien in Bremen. Zeitschrift Die Woche 1934
Germanen gegen Rom (“Die Woche”, 1934)

Mythos Germanien

“Mit ‘Germanien’ verbinden sich bis heute verschiedenste Vorstellungen und Assoziationen – dabei gab es kein Volk, das sich selbst Germanen oder seine Heimat Germanien nannte”, erklärt Dr. Karin Walter, Kuratorin und Leiterin des Ausstellungsprojekts. Die Bezeichnung sei von den Römern für die auf der rechten Rheinseite lebenden Bevölkerungsgruppen geprägt worden. Über die Jahrhunderte hinweg habe der Begriff dann verschiedene ideologische Aufladungen erlebt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus waren Politik und Archäologie besonders eng miteinander verflochten. Die Archäologen lieferten der Politik vermeintlich wissenschaftliche Belege für eine germanische Hochkultur und ihr großes Siedlungsgebiet. Diese Belege nutzte das NS-Regime, um die eigene Überlegenheit zu beweisen und Besitzansprüche auf Territorien in den Nachbarländern zu legitimieren. Damit trug die Archäologie wesentlich zu den ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus bei. Der daraus erwachsende Glaube an eine überlegene arisch-germanische Rasse führte in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des Dritten Reichs.

Ausstellung: Graben für Germanien in Bremen. Germanenbrot-Anzeige
Anzeige für ein “Germanenbrot”

Propaganda im Alltag

Auf 800 Quadratmetern zeigt das Focke-Museum anhand von über 750 Exponaten, wie eng
Politik und Archäologie damals verzahnt waren. Ausgrabungsfunde dienten der medialen Propaganda, etwa eine 1400 Jahre alte Urne mit Hakenkreuzmotiv aus dem Gräberfeld Bremen-Mahndorf. Originalgetreue Repliken von Bronze- und Goldobjekten sollten eine germanische Hochkultur belegen, Modelle das Alltagsleben veranschaulichen. Filme, Fotos, Plakate und Zeitschriften aus der NS-Zeit zeigen die umfassende Propagandawirkung in Schule und Alltag, die das ideologisch geprägte Germanenbild zum Allgemeingut werden ließ.

Der Mythos lebt weiter

Fast alle deutschen Archäologen haben sich zwischen 1933 und 1945 an der Verbreitung nationalsozialistischer Ideen und der Plünderung von fremden Kulturgütern beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die meisten von ihnen dennoch ihre Karrieren weiterverfolgen, eine kritische Auseinandersetzung mit ihrem Einsatz für “Germanien” blieb aus. Auch waren die in der NS-Zeit von den Archäologen verfestigten Germanenbilder noch lange in Schulbüchern und Ausstellungen zu finden. Bis heute werden ideologisch aufgeladene Vorstellungen, Zeichen und Symbole in der rechten Szene weiter propagiert, Versatzstücke des nationalsozialistischen Germanenbildes finden sich immer wieder in den Massenmedien.

Die Ausstellung im Bremer Landesmuseum greift somit ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema auf, das die Ursprünge der Vorstellungen von “Germanien” mit der Gegenwart verknüpft. Im Begleitprogramm finden seit Februar 2013 Vorträge von Wissenschaftlern zu verschiedenen Gesichtspunkten statt, beispielsweise zu Ausgrabungen in besetzten Gebieten oder der Rolle von Zwangsarbeitern in der Archäologie. Zur Ausstellung ist auch ein gleichnamiger Begleitkatalog erschienen (14 Autoren, 23 Beiträge, 192 Seiten und 150 Abbildungen).

“Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz”, Sonderausstellung im Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, zu sehen vom 10. März bis 8. September 2013, jeweils Dienstag von 10 bis 21 Uhr und Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm finden sich auf der Webseite des Focke-Museum: Graben für Germanien.


Quelle/Bilder: Focke-Museum Bremen
(Ende) geschichtspuls/12.03.2013/mar

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