Begrenzte Geschichtsaufarbeitung bei der Deutschen Bahn

Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 ist es der Deutschen Bahn (DB) AG nach eigenen Angaben ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung an die Geschichte ihrer Vorläuferorganisationen wach zu halten. Dazu gehöre insbesondere die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Nationalsozialismus und ihre Beteiligung an den Menschen verachtenden Verbrechen. Jüngstes Ergebnis der Erinnerungsarbeit der DB ist die Wanderausstellung “Sonderzüge in den Tod – Deportationen mit der deutschen Reichsbahn”.

Noch bis Ende Februar ist die Ausstellung an ihrer ersten Station im Berliner Bahnhof Potsdamer Platz zu sehen. Als nächstes stehen die Hauptbahnhöfe von Halle/Saale (4. März – 16. März 2008) und Münster (18. Mai – 15. Juni 2008) auf dem Plan. An jedem Ort soll ein regionaler Bezug hergestellt werden, der unter anderem zeigt, wie viele Menschen von welchen Bahnhöfen mit den Zügen der Deutschen Reichsbahn in die Ghettos und Vernichtungslager transportiert wurden.

Etwa drei Millionen Menschen fuhren nach Schätzungen mit der Eisenbahn in den Tod, vor allem Juden, aber auch Roma und Sinti sowie politisch Verfolgte. Was die Menschen in diesen Sonderzügen durchmachten, versuchen die 40 Stellwände der Ausstellung deutlich zu machen. Eindringliche Berichte von Zeitzeugen sind von einer Medienstation für die Besucher abrufbar.

Mit dieser aktuellen Geschichtsaufarbeitung reagiert die Bahn auf eine Ausstellung von Beate Klarsfeld. Der »Zug der Erinnerung« transportiert eine mobile Ausstellung mit Biografien verschollener Kinder aus mehreren europäischen Staaten. Seit November 2007 ist er auch auf deutschen Deportationsstrecken unterwegs – allerdings ohne Unterstützung der Bahn. Wie der Trägerverein mitteilte, belegt diese den “Zug der Erinnerung” trotz zahlreicher Proteste mit den marktüblichen Streckennutzungsgebühren und kassiert Standgebühren für die Aufenthalte an den Bahnhöfen. Insgesamt kämen dabei Kosten von über 70.000 Euro zusammen, die allein durch Spenden finanziert würden.

Statt sich hier an den Kosten zu beteiligen, konzipiert die Bahn offenbar lieber eine eigene Wanderausstellung, die sie dann – so geschehen zumindest in Berlin – in einer unterirdischen Ecke eines Regionalbahnhofs platziert. Da muss die Frage erlaubt sein, wie ernst es der Bahn mit der viel betonten Geschichtsaufarbeitung wirklich ist. Dass Mobilität auch verbrecherisch genutzt werden kann, daran möchte der Konzern seine Kunden offenbar nicht gerne erinnern.

Weitere Informationen auf der Homepage der Deutschen Bahn: Sonderzüge in den Tod


Quelle: Deutsche Bahn, Zug der Erinnerung
Foto: Ge.Ko2
(ENDE) geschichtskombinat/12.02.2008/mar

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    1. Was ich ja noch viel merkwürdiger finde, ist die Tatsache, dass die Bahn nichts aus der Lektion gelernt hat. In Frankfurt an der Oder wird derzeit ein Laden an Rechtsradikale vermietet. Symbolischerweise befindet sich das Klamottengeschäft am äußersten Rand des rechten Bahnhofsflügels und bietet Textilien des Neonazi-Ausstatters Thor Steinar (http://de.wikipedia.org/wiki/Thor_Steinar) an.

      Über allem weht die norwegische Flagge, die ja an Gott Thor, die Wikinger und nordisches Germanentum erinnern soll. Leider wissen diese dämlichen Menschen nicht, dass das Kreuz in der Fahne auf die Christianisierung Skandinaviens verweist und dem dänischen Dannebrog entlehnt wurde.

      Unterstützt die Deutsche Bahn AG etwa Rechtsradikale? Bisher gab es immerhin eine Farbbeutelattacke der örtlichen Antifa.

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