Vor 70 Jahren

Die Entdeckung der Kernspaltung

Wohl kaum eine wissenschaftliche Entdeckung hat die Welt so sehr verändert wie die der Kernspaltung. Vor 70 Jahren wurde sie durch Otto Hahn im Labor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Berlin Dahlem (heutiges Institut für Biochemie der Freien Universität Berlin) entdeckt – auch wenn sich dieser damals wohl nicht über die Tragweite seiner Entdeckung im Klaren war.

Hahn/Meitner im Labor Am Abend des 19. Dezember 1938 schrieb Hahn einen Brief an seine vor den Nationalsozialisten nach Schweden geflohene Mitarbeiterin Lise Meitner. Darin schilderte er die scheinbar seltsamen Ergebnisse der mit seinem Assistenten Fritz Straßmann unternommenen Experimente. Beim Beschuss von Uran-Kernen mit Neutronen konnten sie statt der erwarteten so genannten Transurane immer wieder Barium nachweisen, das ihrer Meinung nach nicht dahingehört. In seinem Brief an Meitner fragte Hahn nun, ob ein Zerplatzen des Urans in Barium und Technetium möglich sei? “Vielleicht kannst Du irgendeine phantastische Erklärung vorschlagen.”

Und Meitner konnte: Der Kern des Urans war bei den Experimenten in zwei Unterkerne zerlegt worden, stellte sie fest. Bislang unvorstellbare Energiemengen könnten so freigesetzt werden. Von Hahn – der seine Ergebnisse Anfang Januar 1939 erstmals veröffentlichte – weiterhin über seine Versuche auf dem Laufenden gehalten, formulierte sie im Februar 1939 zusammen mit ihrem Neffen – dem Kernphysiker Otto Frisch – in einem Aufsatz (“Disintegration of Uranium by Neutrons: a New Type of Nuclear Reaction”) eine Theorie zum “Zerplatzen” von Uran-Atomkernen. Von Frisch wurde dabei auch der Begriff der “nuclear fission” (Kernspaltung) geprägt, der sich schnell international durchsetzte.

Die Entdeckung der Kernspaltung vor 70 Jahren zählt sicherlich zu den bedeutendsten – und unheilvollsten – wissenschaftlichen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts: Zusammen mit der Entdeckung der Kettenreaktionen machte sie die hohe Energie technisch nutzbar (siehe: erster Kernreaktor Chicago Pile 1 von 1942), lieferte zugleich aber auch die Voraussetzung zur Herstellung der Atombombe.

Mehr zur Kernspaltung:

Kernspaltung: Chronik einer Entdeckung (Institut für Kernforschung – Uni Mainz)
70 Jahre Kernspaltung (Spektrum der Wissenschaft)
Die Geister, die er rief… (berlinonline.de)
Trinity 1945 – Wie die Atombombe die Welt veränderte (Deutschlandradio)
Zur Person Lise Meitner (mit Publikationsliste – Universität Wien)
Disintegration of Uranium by Neutrons: a New Type of Nuclear Reaction (Aufsatz von Meitner, “Nature” 1939 – engl.)

Quelle: siehe Links
Bild: Otto Hahn und Lise Meitner im Labor (U.S. Department of Energy, via wikipedia)
(ENDE) geschichtspuls/19.11.2008/mar

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    2 Kommentare
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    1. [...] Radioaktivitätsforschung. 1939 entdeckte er zusammen mit Fritz Strassmann die Kernspaltung (Vor 70 Jahren: Entdeckung der Kernspaltung). Die Folgen dieser Entdeckung, für die er später mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet [...]

    2. … Ich wäre froh, wenn er es nicht entdeckt hätte! Damit meine ich auch, dass es niemand nach ihm entdeckt haben sollte – zumindest unter den heutigen Gebrauchsumständen!!!

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