“Stasi-Live-Haft”: Big Brother im Stasi-Knast

Der ehemalige Stasi-Häftling Carl-Wolfgang Holzapfel kehrt vom 29. Oktober bis zum 5. November 2009 wieder in eine Zelle der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen zurück. Während der sieben Tage wird er rund um die Uhr von einer Webcam gefilmt. Zusammen mit der Fotokünstlerin Franziska Vu will Holzapfel so verstärkt auf die Opfer der SED-Diktatur und deren Unterdrückung durch die Stasi aufmerksam machen.

Nachtrag vom 31. Oktober 2009: Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieses Beitrags wurde die Aktion vorzeitig abgebrochen. “Aufgrund der emotionalen Belastung, die das erneute Erleben der Zelle für Carl-Wolfgang Holzapfel bedeutete, sah er sich dazu gezwungen, die Kunstaktion trotz der großen Resonanz abzubrechen”, heißt es dazu auf der Projektwebseite. (Danke für den Hinweis, @Mikkina)

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“24/7 Stasi-Live-Haft soll aufrütteln und vor allem junge Menschen dazu anregen, sich im 20. Jubiläumsjahr des Mauerfalls auch mit den Schattenseiten der DDR zu befassen”, erklärt Vu ihre Intention. Historische Häftlingskleidung und feste Essenszeiten in der Zelle sollen den Haftalltag so realitätsgetreu wie möglich wiedergeben. Dazu gehört auch, dass Holzapfel tagsüber sein Gefängnisbett nicht benutzen darf.

Hier geht’s zum Livestream der Aktion: www.stasi-live-haft.de.

Der in West-Berlin aufgewachsene Holzapfel saß bereits vor vierzig Jahren für 13 Monate in DDR-Gefängnissen ein. Damals war er nach einer Demonstration für die Freilassung der politischen Gefangenen in der DDR im Oktober 1965 am Checkpoint Charlie verhaftet und nach Hohenschönhausen verbracht worden. Dort verbrachte er vor und nach seiner Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus insgesamt neun Monate in Einzelhaft. Er prangerte bereits während der Zeit der Berliner Mauer mit zahlreichen Aktionen die Unterdrückung der Menschen in Ostdeutschland an. Zuletzt legte er sich am 13. August 1989 quer über die weiße Linie am Checkpoint Charlie und sorgte mit der über dreistündigen Aktion weltweit für Schlagzeilen.

Mit ihrer Aktion gegen das Vergessen stießen Vu und Holzapfel bei den Verantwortlichen der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen auf offene Ohren: “Wir sind von dieser Idee überzeugt und stellen den Künstlern die Original-Räumlichkeiten gerne zur Verfügung. Auf diesem Wege kann die Fantasie unzähliger Menschen angeregt werden, nachzuvollziehen, wie es inhaftierten Gegnern der SED-Diktatur erging”, meint der stellvertretende Gedenkstättenleiter Siegfried Reiprich.

Bei anderen Opfern der DDR-Staatssicherheit sorgt die Aktion hingegen teilweise für Unverständnis und Kritik. So sprach sich unter anderem der SPD-Parlamentarier Tom Schreiber aus dem Berliner Abgeordnetenhaus gegen die Haft-Aktion aus. Das Anliegen finde er zwar in Ordnung, allerdings sei Holzapfel eine mehr als dubiose Person, sagte Schreiber in Anspielung auf Holzapfels frühere Mitgliedschaft bei einer rechtsgerichteten Partei. “Ich habe nie verschwiegen, dass ich bei den Republikanern war”, entgegnet dem Holzapfel. Als junger Mensch habe man auch das Recht, seine politischen Wege zu suchen.

Mehr zur Aktion Stasi-Live-Haft:
Zurück in die Stasi-Zelle: Waschen, essen, liegen
Stasi-Haft als Big-Brother-Event (Deutschlandfunk)

Quelle: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
(ENDE) geschichtspuls/31.10.2009/mar

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    2. Macht Spass hier zu lesen, war vor längerer Zeit schonmal da. Danke für die Tipps, werd sicher noch öfter kommen :) Gruß aus Trier!

    3. Tolle Aktion finde ich, so macht er wenigstens auf die Taten in der DDR aufmerksam. Viele Jugendliche können ja mit dieser nahen Vergangenheit ja gar nichts mehr anfangen obwohl sie zum Teil noch in der DDR geboren wurden.

    4. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, wie sich einige die DDR zurück wünschen können. Wo bitte ging es uns denn da besser? Viele vergessen wohl die Stasi und den gesamten Apperat, der uns kontrolliert hat.

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