Buchtipp: Fromms – Wie der jüdische Kondomfabrikant unter die deutschen Räuber fiel

Mit einer gestützten Markenbekanntheit von 60 Prozent gilt die Marke Fromms als ein Synonym für Kondome. Weit weniger bekannt ist die Geschichte des Mannes, der als erster Kondome ohne störende Naht auf den Markt brachte: Julius Fromm. In einem 2007 erschienenen Buch erzählen die Historiker Götz Aly und Michael Sontheimer, wie der Sohn armer jüdischer Wirtschaftsmigranten aus Russland 1912 in Berlin die Kondomproduktion revolutionierte.


Es ist ein Blick zurück in die politische Sittengeschichte der Deutschen. Die Autoren schildern, wie Fromms 1923 mit der Massenproduktion von Kondomen begann und sie unter dem Namen “Fromms Act” erfolgreich auf dem deutschen Markt durchsetzte. 1926 wurden vom ersten Markenkondom der Welt bereits 24 Millionen Stück hergestellt.

Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet Fromm in Bedrängnis und fiel schließlich – wie der Buchtitel treffend besagt – unter die deutschen Räuber. 1938 zwangen die Nazis den jüdischen Kondomfabrikanten unter anderem zum Verkauf seiner Firma – für einen Bruchteil ihres Werts. Das florierende Unternehmen ging an Hermann Görings Patentante Baronin Elisabeth von Epenstein-Mauternburg, die Göring im Gegenzug zwei Burgen überschrieb.

Danach verließ Julius Fromm Deutschland und ging ins englische Exil. Dort starb er wenige Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, noch voller Pläne für den Wiederaufbau seiner arisierten Firma. Die Überführung seiner nun in der Sowjetischen Besatzungszone liegenden Fabriken in Volkseigentum und die späteren Auseinandersetzungen um sein entzogenes Vermögen erlebte er nicht mehr.

Götz Aly, Michael Sontheimer: “Fromms. Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel.”, S. Fischer (2007), 217 Seiten

Links zum Thema:
Informationen zum Buch beim S. Fischer Verlag
H-Soz-u-Kult (Rezension von Maren Janetzko)
Netzeitung (Rezension von Ulrich Gutmair plus Bildershow)


Quelle: S. Fischer Verlag, Netzeitung, H-Soz-u-Kult
Foto: S. Fischer Verlag (Buchcover)
(ENDE) geschichtspuls/28.03.2008/mar

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