Mittelalter-Tourismus

Meßkirch baut Klosterstadt mit Ochsengespann und Muskelkraft

Im Baden-Württembergischen Meßkirch hat man Großes vor: Nur mit Mitteln des Mittelalters, also ohne den Einsatz von Maschinen, will man dort über mehrere Jahrzehnte hinweg eine Klosteranlage nach Plänen aus dem 9. Jahrhundert bauen. Das Ministerium für Ländlichen Raum hat jetzt grünes Licht für die Finanzierung des Projekts gegeben. Stimmt nun noch wie erwartet der Gemeinderat zu, können die Bauarbeiten im Frühjahr 2012 beginnen.

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Grundlage für das Projekt ist der berühmte Klosterplan von Sankt Gallen. Der vermutlich zwischen 819 und 837 im Kloster Reichenau entstandene Plan umfasst die Grundrisse von rund fünfzig Gebäuden, darunter eine Klosterkirche, Unterkünfte für Mönche und Gäste, einen Krankenbereich, verschiedene Wirtschaftsgebäude, ein Waschhaus sowie ein Back- und Brauhaus. Der nach bisherigen Erkenntnissen nicht verwirklichte Klosterbauplan soll nun nach dem Willen des gemeinnützigen Vereins “Karolingische Klosterstadt” auf einem 10 bis 15 ha großen Grundstück bei Meßkirch realisiert werden. Dabei sollen nur Mittel und Techniken des 9. Jahrhunderts zum Einsatz kommen – also Ochsengespanne und Muskelkraft, aber keine Maschinen.

“Lebende Baustelle” als Tourismusattraktion

Mit der Klosterstadt soll insbesondere der Tourismus in der Region einen Schub erfahren. Bereits nach einem Jahr Bauvorbereitung will man das Baugelände für Besucher öffnen. Schon ab dem 4. Jahr soll sich das gesamte Projekt ausschließlich durch die Einnahmen der Besucher finanzieren. Dafür sind mindestens 125.000 Besucher pro Jahr erforderlich. Eine für die Stadt Meßkirch durchgeführte Tourismusstudie schätzt das touristischen Potential der Karolingischen Klosterstadt sogar auf “jährlich cirka 180.000 und mehr” Besucher – sofern die Anlage professionell geführt und optimal vermarktet werde.

“Durch die lange Bauphase ist auf der Baustelle immer etwas Neues zu sehen”, erklärt der Meßkirchner Bürgermeister Arne Zwick. Es sei im Prinzip ein “Dauer – Mittelalter – Handwerkermarkt”, bei dem die Besucher den Handwerkern über die Schulter schauen könnten. Damit sei die Klosterstadt auch ein ideales Ziel für Schulausflüge. Gleichzeitig weist Zwick aber auch auf zahlreiche Schwierigkeiten hin, die noch vor dem Projekt liegen: “Wie sieht beispielsweise eine Baugenehmigung für eine Kathedrale aus, die 2000 Personen fasst, und bei der die Baupläne 1.200 Jahre alt sind? Sowas hat noch nie jemand gemacht.”

Weiterführende Informationen:


Quelle: siehe Links
(Ende) geschichtspuls/17.09.2011/mar

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    1. Das finde ich ist mal eine wirklich gelungene Idee. Besser als jedes XX. Freibad/Freizeitpark oder was auch immer. Etwas bieten das man sonst nicht zu sehen bekommt. Ich hoffe sehr das der Bau so abgenommen wird und man schon bald beginnen kann. Damit würde Deutschland um eine wirklich sehr interessante Sehenswürdigkeit reicher und lehrsam wäre es obendrein. Fehlt nur noch ein kleiner fester Mittelaltermarkt wie man ihn aus München kennt und dann wäre es durchaus als perfekt zu bezeichnen!

      Grüße
      Hans

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