Vor 40 Jahren: Sprengung der Leipziger Paulinerkirche

Was alliierte Bomber während des Zweiten Weltkrieges nicht geschafft haben, holte die DDR im “antiklerikalen Kulturkampf” vor 40 Jahren nach: Am Vormittag des 30. Mai 1968 legten 700 Kilogramm Dynamit die Leipziger Universitätskirche St. Pauli in Schutt und Asche. Am Ende war der Kirchenschliff sehr schnell gegangen – immerhin hatte der Leipziger Stadtrat erst am 23. Mai offiziell die Sprengung beschlossen. Dabei wussten seine Mitglieder die Staatsführung hinter sich: So soll der in Leipzig geborene DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht bereits 1960 vom Balkon der neuen Oper angesichts Hunderter junger Kirchgänger gesagt haben: “Das Ding muss weg.”

Die Paulinerkirche wurde zwischen 1488 und 1521 als Gotteshaus für ein Dominikanerkloster errichtet. Später diente sie als geistig-geistliches Zentrum der Leipziger Universität 450 Jahre lang als Aula und Begräbnisstätte für Universitätsprofessoren. So überstand das Gotteshaus den Dreißigjährigen Krieg, die Völkerschlacht bei Leipzig, den Ersten Weltkrieg und die Bombennacht des 3. Dezembers 1943, um dann dem “Kulturbolschewismus” zum Opfer zu fallen. Statt einer alten Kirche sollten moderne Gebäude sozialistischer Architektur die Überlegenheit der neuen Gesellschaftsordnung verdeutlichen. Wenige Tage nach der Paulinerkirche wurde übrigens auch noch das benachbarte Augusteum gesprengt und somit Platz geschaffen für die “Karl-Marx-Universität”, jenem ersten “sozialistischen Universitätskomplex der DDR”.

Vierzig Jahre später entsteht auf den Grundfesten der Paulinerkirche ein neues Aulagebäude für die Universität, das von der Form her an das Gotteshaus erinnern soll. 2009, rechtzeitig zum 600. Jubiläum der Uni, soll der Bau abgeschlossen sein. Doch ungeachtet der Baufortschritte geht der Streit über die Namensgebung und die Gestaltung und Nutzung des Innenraumes in Leipzig munter weiter, wie beispielsweise beim Deutschlandfunk oder der ZEIT nachzulesen ist.

Links zum Thema
“Wie ich die Sprengung der Paulinerkirche erlebt habe” – fünf Zeitzeugen erinnern sich für MDR Figaro (Audio-Files)
Die Paulinerkirche 1340-1968 – der MDR zur Geschichte der Kirche
Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der Paulinerkirche Leipzig


Quelle: ZEIT, MDR, Deutschlandfunk, NZZ
Foto: Paulinerkirche in Leipzig um 1890 (via wikipedia)
(ENDE) geschichtspuls/30.05.2008/mar

Blaetter fuer Genossenschaftsgeschichte
(Ein neues Angebot aus dem GeschichtsPuls-Netzwerk)


    RSS-Grafik
    Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie doch den GeschichtsPuls-Feed. So werden Sie immer mit den aktuellen GeschichtsPuls-Beiträgen versorgt. (Was ist RSS?)

    Und was sagen Sie dazu...?

    Einen Kommentar hinterlassen

    RSS-Grafik
    Sie wollen die Diskussion verfolgen? Abonnieren Sie den RSS-Kommentar-Feed...
    (Was ist RSS?)