Freya Klier: Mafiose Vernetzung ehemaliger DDR-Geschichtslehrer
16. Dezember 2008 | Kategorie: Arbeitsplatz Geschichte, DDR / SBZ (1945-1990), aktuell | Tags: DDR-Geschichte, Freya Klier, Geschichtslehrer, Geschichtsunterricht, Lehrplan
Die – in der DDR regimekritische – Schriftstellerin Freya Klier beklagt auf WELT Online die gefilterte Vermittlung von DDR-Wissen im Unterricht: Seit dem Mauerfall vergehe kein Jahr, in dem die DDR nicht in noch milderem Licht erscheint. Schuld seien alte Kader in der Lehrerschaft, die ihre eigene Vergangenheit verklären und das SED-Unrecht beschönigen würden. Infolge ihrer “mafiosen Vernetzung” seien sie die stärkste Kraft in den Schulen des Ostens.
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“Die strammen Lehrer und Erzieher, die nur scheinbar gewendeten Pionierleiter und FDJ-Funktionäre, die pädagogischen Höflinge auf ministerialer Ebene – jene eben, die mit Druck und Drill, Propaganda und Werbung, Appellen und Erpressung halfen, menschliche Würde zu unterdrücken –, sie sind ja nicht ausgewandert [wie ihre alte Chefin Margot Honecker]“, schreibt Klier. Logischerweise tummelten sich diese Lehrer vorrangig in den Schulen des Ostens, wo sie sich anfangs noch betont unauffällig verhielten. Doch diese Zeiten seien vorbei: “Fast flächendeckend setzten die Altkader – nun besser bezahlt als je zu DDR-Zeiten – auf geschmeidigere Art das fort, was sie einst sattsam trainiert hatten: Kinder belügen, die Wahrheit verdrehen, einen Unrechtsstaat zum Hort der Menschlichkeit uminterpretieren. Nein, sie bildeten nicht die Mehrheit unter den Pädagogen im Osten. Doch sie hatten ein klares strategisches Ziel und waren aufgrund ihrer mafiosen Vernetzung schon bald die stärkste Kraft in den Schulen des Ostens“, so Klier weiter.
Den ganzen Artikel von Freya Klier gibt’s bei WELT Online zu lesen: Deutsche Vergangenheit: Der lila Drache und die Mär von der schönen DDR
Da fragt man sich aber mal wieder, wie es wirklich aussieht im Geschichtsunterricht. Ist die Verklärung des Sozialismus (Betonung von Kindergärten, Poliklinik oder Arbeit für alle) wirklich so übermächtig? Was lernt die ostdeutsche Jugend knapp 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer über die DDR? Was ist hierzu in den Lehrplänen vorgesehen? Was ist mit eventuellen Widersprüchen zwischen dem etwaigen DDR-unkritischen Lehrstoff und Schilderungen/Erinnerungen im Familienkreis? Und wie werden etwa Besuche bei Erinnerungsstätten (z.B. die Gedenkstätte Hohenschönhausen, Grenzübergang Marienborn…) in die Unterrichtspläne mit eingebunden? Man sieht, Fragen über Fragen – Ich freue mich, wenn jemand was dazu beitragen kann… (Herr Wacker, welche Erfahrungen haben Sie denn beispielsweise mit ostdeutschen Kollegen (wenn Sie sich überhaupt dazu äußern wollen)? Und wie viele Stunden sind in Baden-Württemberg eigentlich für die DDR in den Unterrichtsplänen für Geschichte vorgesehen?)
Quelle: WELT Online
(ENDE) geschichtspuls/16.11.2008/mar

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