Jubiläum: 250 Jahre MAN, 250 Jahre deutsche Industriegeschichte

MAN feiert großes Jubiläum: 250 Jahre Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. Das mag manche stutzen lassen, verbinden sie MAN doch vor allem mit Lastwagen, schweren Dieselmotoren oder der frühen Druckmaschinenentwicklung. Die tatsächlichen Wurzeln des heutigen DAX-Konzerns reichen jedoch noch viel weiter zurück bis in die Anfänge deutscher Industriegeschichte.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zu 250 Jahren MAN:
1 – 250 Jahre MAN, 250 Jahre deutsche Industriegeschichte
2 – Chronologie: Wegmarken aus 250 Jahren MAN-Geschichte
3 – Starthilfe für eine Erfindung: MAN und Rudolf Diesel
4 – Führende Köpfe der MAN-Geschichte
5 – 250 Jahre MAN: Sonderausstellung im Deutschen Museum
St. Antony Hütte, 1835
St. Antony Hütte, 1835
Sandersche Maschinenfabrik Augsburg 1890
Sandersche Maschinenfabrik
Augsburg, 1890

Die Geschichte der MAN beginnt im Ruhrgebiet 1758 mit der Gründung der Eisenhütte “St. Antony”. Nach dem Zusammenschluss mit zwei benachbarten Hütten heißt das Unternehmen ab 1873 “Gutehoffnungshütte – Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb in Sterkrade” (GHH) heißt. Knapp 100 Jahre später geht 1840 in Augsburg der süddeutsche Firmenzweig an den Start: die “Sander’sche Maschinenfabrik”, die nach einer Fusion und Umbenennungen 1908 schließlich zur “M.A.N. Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG” wird.

Zwei Wurzelstränge

Während der Schwerpunkt im Ruhrgebiet zunächst weiter auf dem Erzabbau und der Eisenproduktion liegt, wird Augsburg und Nürnberg der Maschinenbau zum dominierenden Geschäftszweig. Heinrich von Buz (siehe Führende Köpfe der MAN-Geschichte) macht als Direktor der Maschinenfabrik Augsburg aus einem überschaubaren Betrieb mit 400 Beschäftigten ein Großunternehmen mit 12.000 Arbeitern (1913). Fortbewegung, Antriebstechnik und Stahlbau sind die großen Themen dieser Phase. Eine große Offenheit gegenüber neuen Technologien begründet den Erfolg der frühen MAN-Unternehmer und Ingenieure: Sie konstruieren die ersten spektakulären Stahlbrücken und die Wuppertaler Schwebebahn, machen mit der Rotationsdruckmaschine den massenhaften Buch- und Zeitungsdruck möglich – und geben einem der wichtigsten Erfinder eine Chance: Rudolf Diesel. Vier Jahre lang tüftelt Diesel ab 1893 mit MAN-Ingenieuren im Augsburger Labor, bis sein erster Motor läuft. (siehe MAN und Diesel)

LKW Dieselmotor
Mit 150 PS war dieser Dreiachser
1932 der stärkste Diesel der Welt.
U-Boot Dieselmotor
U-Boot-Dieselmotor, 1917

1921 übernimmt dann die Gutehoffnungshütte die Mehrheit an der damals finanziell stark angeschlagen MAN; bis 1986 heißt der Konzern nun GHH. Durch gezielte Beteiligungen und Käufe von weiterverarbeitenden Betrieben – zum Beispiel an der Deutschen Werft in Hamburg (1918), an der Mechanischen Werkstatt von Johann Renk sowie an Ferrostaal (1923) und an der Deggendorfer Werft (1924) – steigt das Unternehmen zu einem landesweit agierenden Konzern auf.

Krise und Zweiter Weltkrieg

Gleichzeitig verschlechtert sich jedoch die die ökonomische Situation der GHH massiv – bedingt insbesondere durch die Reparationsforderungen an die Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg, die Besetzung des Ruhrgebiets und die Weltwirtschaftskrise. In nur zwei Jahren sinkt die Zahl der Beschäftigten bei M.A.N. von 14.000 im Jahr 1929/30 auf gut die Hälfte, 7.400, im Jahr 1931/32. Während das zivile Geschäft damals weitgehend einbricht, nimmt das Militärgeschäft mit der Aufrüstung unter dem nationalsozialistischen Regime erheblich zu. GHH/MAN-Unternehmen liefern U-Boot-Dieselmotoren, Panzer und Zylinder für Geschosse sowie Geschütze aller Art.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entflechten die Alliierten den GHH-Konzern. Eine vertikale Verflechtung, bei der sich Bergbau, Eisen- und Stahlproduktion sowie Weiterverarbeitung in einer Hand befinden, ist nicht mehr erlaubt. Die GHH mitsamt den süddeutschen MAN-Unternehmen konzentriert sich deshalb auf den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Bereiche Nutzfahrzeuge und Druckmaschinen. Unterstützt wird dies durch strategische Unternehmenskäufe und -verkäufe. Zu den wichtigsten gehören die Übernahme der Lkw- und Bussparte des Nutzfahrzeugherstellers Büssing (1971), der Verkauf der Anteile an der Deutschen Werft (1966/67) sowie die Übernahme des Druckmaschinenherstellers Faber&Schleicher und die Fusion zur MAN Roland Druckmaschinen AG (1979).

Beständiger Wandel als Erfolgsgarant

1982/83 schlittert die GHH in eine schwere Unternehmenskrise. Das Unternehmen leidet unter den Spätfolgen der zweiten Ölkrise und einer schlechten Konjunktur, was sich vor allem im dramatischen Rückgang der Absatzzahlen bei den Nutzfahrzeugen zeigt. Doch neben äußeren Faktoren ist die veraltete Konzernstruktur mit einem großen Maß an Quersubventionierungen unter den Geschäftsbereichen eine Hauptursache der Probleme. 1986 bekommt der Konzern eine neue Struktur und wird ein “Vertragskonzern” mit einer Zentrale in München und mit wirtschaftlich eigenständigen Bereichen an verschiedenen Standorten – sowie mit einem neuen Konzernnamen: MAN AG. Nach dem Verkauf vieler kleinerer Unternehmensbereiche fokussiert sich das Unternehmen heute auf die vier Geschäftsbereiche Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, Turbomaschinen und Industriedienstleistungen.

Mehr zum Thema:
Jubiläumswebseite: 250 Jahre MAN (MAN)
MAN-Dossier: Von der Eisenhütte zum Multi-Konzern (br-online.de)
Bilderserie: Bergbau bis Raumfahrt – 250 Jahre MAN (ftd)
MAN ist 250 Jahre alt und noch immer rastlos

Quelle/Bilder: MAN AG
(ENDE) geschichtspuls/17.10.2008/mar

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    1. Bin Begeistert von der story, der 150PS lastwagen wuerde ein gutes modell in holz sein. Wenn ich brauchbare zeichnungen finde, werde ich einen bauen.
      Gruss,
      Peter Aschenbrenner Brisbane / Australia

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