35 Jahre IKEA in Deutschland

“Die Schweden kommen!” So titelte am 17. Oktober 1974 eine Münchener Zeitung. An diesem Tag vor mittlerweile 35 Jahren öffnete das erste deutsche IKEA-Einrichtungshaus in Eching bei München seine Pforten. Statt Eiche rustikal boten die Schweden helle und optisch leichte Möbel – und das noch zu günstigen Preisen. Das Angebot richtete sich vor allem an junge Kundengruppen: “Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld” lautete dann auch der Titel des ersten deutschen Ikea-Katalogs.

1974 eröffnete IKEA in Eching bei München sein erstes deutsches Einrichtungshaus.
1974 eröffnete IKEA in Eching
bei München sein erstes
Einrichtungshaus in Deutschland. (1)

Mit der Ausrichtung auf preiswerte Möbel traf IKEA den Nerv der Zeit. Nach den Wirtschaftswunderjahren mit Vollbeschäftigung traten – gefördert noch durch die Ölkrise von 1973 – Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit wieder stärker hervor. Wenig verwunderlich also, dass in den ersten drei Tagen schon fast 30.000 Menschen durch die Gänge der Echinger Filiale drängten.

Schnell äußerten sie auch regionale Kundenwünsche: “Die Kundinnen dort fragten nach Eckbänken, die wir nicht im Sortiment hatten”, erzählt Unternehmenssprecherin Sabine Nold. Sie wurden in den Katalog aufgenommen, seien außerhalb Bayerns aber nicht so gut angekommen. Durchgesetzt hat sich dagegen der deutsche Schuhschrank. Das Symbol germanischer Ordnungsliebe schaffte es über den internationalen IKEA-Katalog bis nach Amerika.

“Do it yourself” als Geschäftsprinzip

Zum Erfolgsrezept der Schweden zählte von Beginn an auch, dass die Käufer ihre Möbel erst noch selber aufbauen mussten. Damit war IKEA das erste Unternehmen auf dem deutschen Markt und stieß in eine Marktlücke. Generationen von Deutschen haben seither die in flachen Paketen verpackten Möbel im Auto nach Hause verfrachtet und mit dem Imbus-Schlüssel und mehr oder weniger Spaß zusammenschraubt. Dabei sorgten und sorgen die Möbel zur Selbstmontage noch immer mal wieder für Spott: “legal – illegal – Ikearegal”, “Schraubst Du noch oder wohnst Du schon?” oder Harald Schmidts Aufschlüsselung des Firmennamens IKEA in “Ich kriege einen Anfall!” sind nur einige Beispiele dafür.

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Wahrscheinlich wissen heute fast genauso wenige Menschen wie in den 1970er Jahren, wofür IKEA eigentlich steht. Tatsächlich ist der Unternehmensnamen schlicht ein Akronym, bestehend aus den Initialen des Firmengründers Ingvar Kamprad und den Anfangsbuchstaben seines Heimatortes, dem Bauernhof Elmtaryd bei Agunnaryd. Dort hatte Kamprad – im Alter von 17 Jahren – bereits 1943 mit dem Verkauf von Wäscheklammern, Bleistiften und Streichhölzern begonnen. 1948 nahm er die ersten Möbel in sein Sortiment auf. 1951 erschien der erste IKEA-Katalog, 1958 eröffnete das erste IKEA-Einrichtungshaus in Älmhult.

In den 1960er Jahren begann das Unternehmen mit der internationalen Expansion. Über Norwegen (ab 1963), Dänemark (1969) und die Schweiz (1973) kam IKEA 1974 schließlich nach Deutschland. Nach dem Erfolg in Eching entstanden schon im Folgejahr zwei bereits deutlich größere Filialen in Köln-Godorf und Gelsenkirchen-Dorsten. Ihnen folgten Einrichtungshäuser in Großwedel bei Hannover und Stuhr bei Bremen (beide 1976), in Hofheim-Wallau bei Wiesbaden und Kaltenkirchen bei Hamburg (beide 1977), in Kamen bei Dortmund (1978) sowie in Berlin-Spandau und Kaarst bei Düsseldorf (beide 1979). Heute ist Deutschland der größte Markt für IKEA. Von den weltweit 300 IKEA-Einrichtungshäusern in 36 Ländern stehen allein 45 in Deutschland.

Mehr zur IKEA-Geschichte:
Die Geschichte des IKEA-Konzerns (IKEA Deutschland)
Visionen und Geschäftsidee (IKEA Deutschland)
Rüdiger Jungbluth: Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs (Google Books)
IKEA Deutschland (wikipedia-Eintrag)
In Eching bei München eröffnete die erste Filiale (RP-Online zum 30. Jubiläum 2004)
Übersicht der deutschen IKEA-Filialen mit Eröffnungsdatum (IKEA Deutschland)

Quelle: IKEA, zudem siehe Links
Bild: (1) IKEA/privat
(ENDE) geschichtspuls/14.10.2009/mar

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    4 Kommentare
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    1. [...] noch einmal IKEA: Parallel zum 35. Eröffnungsjubiläum des ersten Einrichtungshauses in Deutschland feiern die Schweden im Oktober auch 30 Jahre Billy-Regal. Es ist das wohl meistverkaufte [...]

    2. [...] sich dabei auf  DDR- und Unternehmensgeschichte. Klinkt vielleicht sperrig, aber wie z.B. Ikea in Deutschland eingeführt wurde ist doch ganz [...]

    3. Ich hätte nie gedacht, dass IKEA in Deutschland etwa 45 Filialen bis heute geöffnet hat. Ich hätte etwa auf 30 getippt. Respekt.

    4. Hallo,

      ich bin eher überrascht, dass IKEA in Deutschland (nur) 45 Filialen besitzt. Kommt es einem doch immer so vor, als gäbe es in jedem größeren Städtchen einen oder gleich mehrere IKEA. Schön sind die Möbel, nur umziehen damit ist nicht immer einfach ;-)

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