Niederländischer Kriegstrauertag: Deutscher Botschafter nicht erwünscht

Die Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges ist bei unseren niederländischen Nachbarn offenbar noch immer ein heikles Thema. Das musste jetzt auch der deutsche Den Haag-Botschafter Thomas Läufer erfahren. In einem Interview für die niederländische Fernsehserie “De oorlog” (“Der Krieg”) hatte er den Wunsch geäußert, sehr gerne an der Gedenkfeier für die Toten des Zweiten Weltkriegs teilzunehmen – sofern er denn eingeladen werde.

Läufers Äußerung führte in den Niederlanden zu heftigen Diskussionen: Darf ein offizieller Vertreter Deutschlands zur nationalen Trauerfeier am 4. Mai 2010 eingeladen werden, um dann gemeinsam den knapp 200.000 Opfern der deutschen Besatzung zu gedenken? “Trauern – zusammen mit den Deutschen? Wo ist der Respekt gegenüber den Trauernden”, fragte beispielsweise der prominente niederländische Rabbi Raphael Evers in der Zeitung “Volkskrant” (vgl. auch: Geen herdenking met Duitsers). Ähnlich äußerten sich auch ehemalige Widerstandskämpfer.

Andere Stimmen sprachen sich dagegen für eine deutsche Teilnahme als Zeichen der Versöhnung aus. “Deutschland zeigte sich in den vergangenen 65 Jahren als eine der meist gefestigten Demokratien in Europa”, meint etwa der niederländische Historiker Herman von der Dunk (Weg met morele lafheid). In anderen Ländern habe man deutsche Gäste schon vor 20 Jahren zur gemeinsamen Trauer eingeladen. Dagegen sei die Art und Weise der Debatte über die deutsche Präsenz bei der niederländischen Gedenkveranstaltung eine Schande.

Zumindest für dieses Jahr ist eine Teilnahme des deutschen Botschafters jedoch erst einmal vom Tisch. Das verantwortliche “Nationaal Comite 4 en 5 mei” schloss eine Einladung Läufers aus. Die Feier solle einen nationalen Charakter behalten. Daher würden allgemein keine ausländischen Gäste eingeladen.

Quelle: Spiegel Online, RPO, zudem siehe Links (bei Verständnisproblemen meinerseits bitte ich um Korrekturhinweise)
(ENDE) geschichtspuls/14.01.2010/mar

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    3 Kommentare
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    1. Die Holländer tun sich leider immer noch schwer. Irgendwie verständlich. Ob es auch am Fußball liegt?

      Nein, mich erinnert der Vorgang an den Film http://de.wikipedia.org/wiki/Black_Book_%28Film%29 der kürzlich im Deutschen Fernsehen lief und den Widerstand in den Niederlanden zum Thema hatte!

    2. Hallo Mark,
      Kommentar ist geändert.

      Den Film habe ich nicht gesehen, scheint aber sehr interessant zu sein. Wird sicherlich noch mal wiederholt…

    3. Ich verstehe das nur sehr begrenzt. Eigentlich ist das doch eine Geste der Demut, sich dort als Deutscher den Trauernden um die Opfer von Deutschen zu zeigen.

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