Falscher Schiller im Fürstengrab

Nach dem Tod Friedrich von Schillers gab es immer wieder Streit um die Echtheit seines Schädels, der in der Fürstengruft in Weimar eingelagert ist. Seit 1913 gibt es dort sogar zwei Schädel, die dem am 9. Mai 1805 verstorbenen Schiller zugeschrieben werden. Rechtzeitig zu seinem Todestag enthüllte der MDR nun: Wo Schiller draufsteht, ist gar kein Schiller drin!

Friedrich Schiller nach einem Gemälde von Simanowiz Zu diesem Schluss kam eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe, die vom MDR Landesfunkhaus Thüringen in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Das Ergebnis wird laut Senderangaben gestützt durch “umfassende genealogische Nachforschungen, mehrere Exhumierungen, morphologische, chemische und toxikologische Untersuchungen, zahlreiche DNA-Analysen, historische Porträtvergleiche und hochmoderne Gesichtsrekonstruktionen”. Konkreter beschreibt das beispielsweise Spiegel Online in “Geschichten aus der Gruft“. Wie es dort weiter heißt, sei Schillers Kopf vermutlich schon im 19. Jahrhundert von einem Schädeljäger gestohlen und durch einen sehr ähnlichen ersetzt worden.

Eine entsprechende Fernsehdokumentation des MDR mit dem publizitätsträchtigen Titel “Der Friedrich-Schiller-Code” lief am vergangenen Wochenende. Sendung verpasst? – Kein Grund zum ärgern: Der MDR hat die 90 Minuten lange Dokumentation ins Internet gestellt:

Dokumentation: Der Schiller-Code

Dass dieser wissenschaftliche Erkenntnisgewinn nicht überall für Freude sorgt, macht der Weimarer Oberbürgermeister Stefan Wolf deutlich. Gegenüber MDR 1 (Radio Thüringen) äußerte er recht unverhohlen seinen Ärger über das Ergebnis: “Auf solche Aufmerksamkeit kann man gern verzichten”. Damit sei in der auch für den Tourismus wichtigen Grabstätte eine große Lücke gerissen worden. Entspannter zeigte sich hingegen Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar: “Wir dürfen beim Schiller-Sarg keine Angst davor haben, wissen zu wollen, was wir wissen können.” Er rechnet zudem auch nicht mit schwindenden Besucherzahlen in der Fürstengruft.

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Links zum Thema
Der Friedrich-Schiller-Code – Spezial des MDR
Friedrich-von-Schiller.de – mit Lebenslauf und Übersicht seiner wichtigsten Werke


Quelle: MDR
Foto: Friedrich Schiller (Gemälde von Ludovike Simanowiz, 1794 – via wikipedia), Screenshot MDR-Video
(ENDE) geschichtspuls/06.05.2008/mar

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    1. Diese Meldung passt ja wie der Faust aufs Auge: Wie der Deutschlandpuls durch eine Geschmacksprobe herausgefunden hat, stammen auch die Schillerlocken nicht von Friedrich Schiller persönlich. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist nicht einmal sein berühmtestes Gedicht “Der Zauberhandschuh” oder die “Ode an die Freunde” von ihm.

      So bleibt der Dichter und Dramatiker auch noch nach 200 Jahren eine schillernde Persönlichkeit.

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