Online-Petition gegen Sparpläne

Kölner Archiv-Neubau: Planungsstopp sorgt für Empörung

Eigentlich sollte das am 3. März 2009 eingestürzte Kölner Stadtarchiv bis 2017 neu aufgebaut sein. So sah es ein Beschluss des Kölner Stadtrates im Juni 2011 vor. Doch inzwischen wurden die Planungen für den Archivneubau gestoppt – aus Kostengründen. Die Entscheidung des Stadtrats sorgt für heftige Proteste. Unterstützer des Historischen Archivs kämpfen mit einer Online-Petition gegen den Planungsstopp.

Neubau des Stadtarchivs Köln, EntwurfNeubau des Historischen Archivs der Stadt Köln (Außenansicht, Entwurf vom Juni 2011)

Das “sicherste” und “modernste” Archiv Europas wolle man errichten, hieß es 2011 noch angesichts des damals beschlossenen Neubaus. Es sollte auch eine Art “Wiedergutmachung” sein für den Verlust eines der “bedeutendsten kommunalen Archive nördlich der Alpen” – dessen Einsturz durch Pannen beim Bau einer neuen U-Bahnlinie verursacht wurde. Doch angesichts der sich zwischenzeitlich abzeichnenden Baukosten von rund 100 Millionen Euro – statt der vor zwei Jahren prognostizierten 86 Millionen Euro – hat die Stadt Köln die Planungen für den Archivneubau vorerst gestoppt.

In Anbetracht der Finanzsituation der Stadt ist es nach Meinung der Stadtoberen sinnvoll, die kostspielige Planung eines Bürgerarchivs zu hinterfragen. Dafür sprächen auch der Trend zur Online-Recherche am eigenen Computer als auch die spärliche Kundschaft im behelfsmäßigen Lesesaal am Heumarkt. Fachleute sollten genau prüfen, wo man sparen und was man optimieren könne. Das betreffe beispielsweise die Größe als auch die Ausstattung des geplanten Neubaus am Eifelwall.

Proteste gegen Planungsstopp

Doch die Pläne der Stadt Köln stoßen auf erhebliche Proteste bei Archivaren, Historikern und zahlreichen historischen Gesellschaften. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Jürgen Roters und die Ratsfraktionen bezeichnen unter anderem die Kölner Baukulturvereine (Architektur-Forum Rheinland, Bund Deutscher Architekten Köln, Haus der Architektur Köln) die angedachte Zusammenstreichung der Neubaupläne als “Affront für alle, die sich ehrenamtlich oder hauptamtlich um die Neuaufstellung von Archiv und Archivalien bemühen”. Unter diesen Umständen sei es fraglich, wie Spendenaufrufe für die Restaurierung der Archivalien erfolgreich sein sollen.

Kritik kommt auch vom Fachbeirat zum Wiederaufbau des Historischen Archivs. Die ihm angehörenden Wissenschaftler und Archiv-Experten erklärten ebenfalls in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, dass das Stadtarchiv “seine Funktion nur in einem modernen und sicheren Bau ausüben kann” – darum unterstütze das Gremium “vorbehaltlos die Konzeption für den Bau am Eifelwall”. Zudem sei eine zügige Realisierung des Archivneubaus auch notwendig, “um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, der Wissenschaft und der nationalen und internationalen Öffentlichkeit zurück zu gewinnen”.

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Verzögerung kostet auch Geld

Der Verein der Freunde des Historischen Archivs e.V. weist zudem in einer Erklärung darauf hin, dass die jetzt diskutierte Neuplanung “gewaltige Mehrkosten an anderer Stelle auslösen und die angestrebte Einsparung zunichte machen oder sogar noch übertreffen würde”. Denn bis zum Jahr 2016 würden viele der so genannten “Asylarchive” die dort eingelagerten Bestände ans Kölner Archiv zurückgeben. Da diese Bestände dann größtenteils in kostenpflichtigen Depots zwischengelagert werden müssten, bedeute jedes Jahr Verzögerung beim Neubau bis zu sechs Millionen Euro Mehrkosten. Zu diesen jährlichen Kosten addiere sich ein “mit Sicherheit siebenstellige Aufwand” für die Neuplanung und möglicherweise der Ankaufspreis für ein Grundstück, das im Gegensatz zum Gelände am Eifelwall nicht der Stadt gehöre.

Online-Petition gegen den Planungsstopp

Angesichts der wahrscheinlichen Mehrkosten durch die Neuplanung, die Verschiebung des Archivneubaus sowie der sich daraus ergebenden weiteren Verzögerung bei der Restaurierung der in den 14 Asylarchiven lagernden Archivalien hat der Siegener Kreisarchivar Thomas Wolf eine Online-Petition initiiert. Dessen Unterzeichner appellieren an die Mitglieder des Kölner Stadtrates, “die Bedeutung der Wiederherstellung des Stadtarchivs als Bürgerarchiv dauerhaft anzuerkennen und den verhängten Planungsstopp zurückzunehmen.”

Mehr Informationen zur Online-Petition: Aufhebung des Planungsstopps für den Neubau des Stadtarchivs und der Kunst- & Museumbibliothek Köln (openpetition.de)

31 Tage vor Ablauf der Petitionsfrist haben sich bereits gut 4.100 der benötigten 5.000 Unterstützer an der Petition beteiligt.

Weiterführende Informationen

Hintergrund: Themenseiten zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Weitere allgemeine Informationen zum Historischen Archiv, seinen Beständen und den aktuellen Nutzungsmöglichkeiten finden sich zudem auf der Archivwebseite der Stadt Köln sowie auf der speziellen Webseite für das digitale Historische Archiv Köln.


Quelle: siehe Links
Bild: Stadt Köln
(Ende) geschichtspuls/28.04.2013/mar

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